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Der Ringversuch Mykologie – ein Qualitätssiegel der Dermatologie

Interview zum 10jährigen Jubiläum mit dem Leiter des Ringversuchs, Herrn Prof. Dr. Hans-Jürgen Tietz, Berlin

Seit 10 Jahren leiten Sie den Ringversuch. Wie ist Ihre Bilanz?

Der Ringversuch ist eine Erfolgsgeschichte. In den 10 Jahren seiner Existenz wurden über 40 000 lebende Kulturen verschickt und 22 verschiedene Erregerarten geprüft. An den Tests beteiligten sich 10 194 Kolleginnen und Kollegen, mehr als 1000 pro Jahr. Über 80% der abgegebenen Diagnosen waren richtig, was zu einem grandiosen Ergebnis geführt hat - dem Verbleib der Mykologie in der Weiterbildungsordnung für Dermatologie.

Einen hohen Zuspruch fanden auch die Begleitseminare zum Ringversuch?

Zu jedem der 103 Veranstaltungen kamen im Durchschnitt mehr als 60 Kollegen pro Seminar. Es war richtig, den Ringversuch, der keine leichte Prüfung ist, mit Seminaren zu unterstützen. Das 100. in Köln wurde von 142 Dermatologen besucht und dementsprechend gefeiert. Die erreichte Dimension verdeutlicht aber auch, dass neue Wege beschritten werden müssen.

Werden die Seminare fortgeführt?

In einer anderen Form. Anstelle der kompakten Seminare in der Ringversuchszeit sollten wieder Mykologiekurse über das ganze Jahr verteilt angeboten werden. In kleineren Gruppen wie Qualitätszirkeln, in denen die Referenten die Erreger des aktuellen Ringversuchs vorstellen, aber auch der Ausbildung des mykologischen Nachwuchses Zeit widmen. Hier fehlt es an allen Ecken und Kanten.

Neben der Vorstellung der Erreger war der Ringversuch auch ein Podium, um über aktuelle Themen der Mykologie zu sprechen?

Das stimmt. Einige Ringversuche standen sogar unter einem bestimmten Motto. Am beliebtesten war das Thema „Mykosen bei Kindern“. Hier wurde ausführlich über die Therapie der Mikrosporie und die Besonderheiten der Tinea capitis gesprochen. Deutschland wird derzeit von einer Mikroskopie-Welle heimgesucht, die andere „Epidemien“ in den Schatten stellt.

Worüber wurde am nachhaltigsten diskutiert?

Über die Behandlung der Onychomykose bei Kindern, Senioren und multimorbiden Patienten. Hier standen sowohl neue topische Optionen als auch das Prinzip der systemischen Langzeittherapie in geringer Dosis im Mittelpunkt. Kritik wurde an der Ein-Tages-Therapie bei Tinea pedis geübt, die nicht nur in die Therapieleitlinie der Deutschen Dermatologischen Gesellschaft aufgenommen wurde, zum Unmut vieler Kollegen auch unter Verletzung der Produktneutralität.

Wie geht es mit dem Ringversuch weiter?

Er bleibt fester Bestandteil der Qualitätssicherung im dermatologischen Praxislabor und wird fortgesetzt: freiwillig, einmal jährlich und praxisnah.

Hätten Sie einen persönlichen Wunsch?

Es wäre wichtig, wenn die Verbände, in deren Namen der Ringversuch ausgetragen wird, die DDG, der Berufsverband und die Deutschsprachige Mykologische Gesellschaft, das Engagement der Ringversuchsteilnehmer stärker würdigen könnten als bisher. Die Klasse der Ergebnisse ist ein Aushängschild für die Dermatologie, nach innen und außen. Das 10jährige Jubiläum wäre ein guter Anlass, dies zu erkennen und zu nutzen.

Abbildung: In Köln wurde vor 142 Teilnehmern das 100. Ringversuchsseminar ausgetragen. Dem Ringversuchsleiter (links) wurde ebenso herzlich gedankt, wie dem langjährigen treuen Sponsor (Mitte und links).